Aspekte der subjektiven Lebensqualität

Es ist relativ neu, dass im Rahmen von Lebensqualitätsuntersuchungen bei Personenbefragungen Fragen zu verschiedenen Aspekten der subjektiven Lebensqualität gestellt werden. Damit wird dem Umstand nachgekommen, dass subjektives Wohlbefinden unterschiedliche Komponenten erfasst.

Das Spektrum der vom ZfZ in der Umfrage gestellten Fragen umspannt verschiedene theoretische Ansätze subjektiver Lebensqualität: die kognitiven Komponenten der Lebenszufriedenheit als globales Urteil über die Qualität des eigenen Lebens als Ganzes, die am Konzept des Wohlbefindens von Ryff orientierten Aspekte der Alltagsbewältigung, der Orientierung und des Zukunftsoptimismus, von positiven Beziehungen zu anderen Menschen und des Lebenssinns als wichtige Komponente eines teleologischen Lebensqualitätsverständnisses; weiters die eher am bedürfnisorientierten Wohlbefindenskonzept ausgerichtete Frage nach dem Grad der Wunscherfüllung sowie die hedonisch inspirierte Frage nach der Bedeutung des Glücks als emotionales Wohlbefinden.

Im Rahmen des gegenständlichen Forschungsprojekts wurden mittels einer Bevölkerungsbefragung Fragen vor allem zu Aspekten der subjektiven Lebensqualität im Bundesland Salzburg gestellt. Damit konnten insbesondere im Bereich subjektiver Komponenten der Lebensqualität zahlreiche zusätzliche Informationen auf regionaler Ebene gewonnen werden. Aus Gründen der Vergleichbarkeit mit gesamtösterreichischen Werten der Lebensqualität orientierten sich die Fragen teilweise an Fragenkomplexen der Statistik-Austria Initiative „Wie geht’s Österreich?“.

Im Zeitraum Dezember 2015 bis Februar 2016 wurden 842 Personen (ab 18 Jahren) für das Bundesland Salzburg und 705 Personen für Österreich (ohne Salzburg) mittels randomisierter, standardisierter telefonischer Interviews von Institut für empirische Sozialforschung (IFES) im Rahmen des ZfZ-Projekts „Lebensqualität und Innovation“ zu Aspekten der Lebensqualität befragt.

Die Frage nach der umfassenden Lebenszufriedenheit wurde der österreichischen Bevölkerung in Bevölkerungsbefragungen mehrmals vorgelegt. Auch für das Bundesland Salzburg liegen mit der ZfZ-Umfrage nun nach 2008 erneut Werte zur allgemeinen Lebensqualität vor.

Die Frage nach der Lebensqualität misst, wie eine Person ihr Leben als Gesamtes bewertet. Der Begriff „Leben“ umfasst somit sämtliche Lebensbereiche dieser Person zu einem bestimmten Zeitpunkt („aktuell“). Es wird daher nicht angestrebt, den momentanen emotionalen Zustand der Auskunftsperson abzufragen, sondern ein reflektiertes und breites Urteil über den Grad ihrer all­gemeinen Zufriedenheit mit diesem Leben zu erhalten.

26 % der SalzburgerInnen bewerten ihre aktuelle Lebensqualität als sehr hoch, über 40 % als hoch. Während 22 % ihre Lebensqualität mittelmäßig einschätzen, ist sie für knapp 10 % eher niedrig und für 2,5 % niedrig. Im Österreichvergleich bewerten mehr Menschen ihre Lebensqualität sehr hoch und etwas weniger eher niedrig, was auch in einem höheren Mittelwert zum Ausdruck kommt.

Im Vergleich der Salzburger Werte mit 2008 zeigt sich, dass deutlich mehr Menschen 2016 ihre Lebensqualität als eher niedrig und weniger als eher hoch einschätzen. Das kommt auch im gesunkenen Mittelwert auf der fünfteiligen Skala zum Ausdruck, der von 3,98 auf 3,88 gesunken ist. Dieser Durchschnittwert liegt im „Normbereich“ der Lebensqualität, der in der empirischen Lebensqualitätsforschung regelmäßig bei 70 % bis 80 % des Maximalwerts zu liegen kommt (Cummings 1995).

Hinsichtlich des Geschlechts beurteilen über 30 % der Frauen ihre Lebensqualität sehr hoch gegenüber 20 % der Männer, während das Verhältnis bei der Antwortkategorie „hoch“ umgekehrt ausfällt. Insgesamt liegt der Mittelwert bei Frauen mit 3,8 höher als bei Männern mit 3,6.

Unterschiede zeigen sich auch beim Alter: Personen bis 45 Jahren bewerten durchschnittlich mit 3,7 schlechter als ältere Personen mit 3,9. Personen mit Matura bewerten ebenso mit 3,9 durchschnittlich besser als Personen ohne Matura mit 3,7. Am deutlichsten fallen die Unterschiede in der soziodemografischen Darstellung nach beruflicher Stellung aus. ArbeiterInnen bewerten ihre Lebensqualität mit durchschnittlich 3,4 deutlich geringer als Angestellte, öffentlich Bedienstete oder Selbständige mit 3,8 bzw. 3,9. Besonders letzteres Ergebnis zeigt, dass im Durchschnitt eine geringere materielle Ausstattung und ein geringerer Status auch mit einer geringeren subjektiven Lebensqualität einhergeht.

In % sehr niedrig eher niedrig mittelmäßig eher hoch sehr hoch MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2016 2,5 9,5 21,8 40,5 25,7 3,8 1,0
Salzburg 2008 2,0 4,0 23,0 45,0 26,0 3,9 1,0
Österreich 2016 2,3 7,2 22,3 37,7 30,5 3,9 1,0
Auf die Frage, wie sich die subjektive Lebensqualität der SalzburgerInnen in den letzten fünf Jahren entwickelt hat, zeigt sich ein recht differenziertes Bild: Für die Hälfte der SalzburgerInnen hat sich die Lebensqualität in den letzten fünf Jahren verändert. Rund 30 % geben an, sie habe sich zum Schlechteren verändert, für rund 20 % hat sie sich verbessert. Während Männer und Frauen die Entwicklung gleich einschätzen, zeigen sich nach dem Alter Unterschiede: Für mehr als ein Drittel der Befragten (34 %) unter 45 Jahren hat sich die Lebensqualität verschlechtert, für rund 21 % verbessert. Bei den über 45-Jährigen fällt die Beurteilung für 26 % negativ aus, für 20 % positiv, 54 % beurteilen die Situation unentschieden. Personen mit Matura als höchstem Bildungsabschluss beurteilen die Entwicklung der vergangenen Jahre etwas positiver als Personen mit geringem Bildungsgrad. Aber auch bei Personen mit höherem Bildungsgrad geben mehr Menschen an, dass sich ihre Lebensqualität verschlechtert hat. Durchwegs wird die Situation in Salzburg geringfügig besser eingeschätzt als im Österreichvergleich.

In % sehr verschlechtert eher verschlechtert teils/teils eher verbessert sehr verbessert MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2016 5,5 24,8 49,3 17,6 2,8 2,9 0,9
Österreich 2016 6,5 20,7 47,8 21,0 4,0 3,0 0,9

Auf die Frage nach der Zufriedenheit mit ihrem Lebensstandard antworten rund 64 % der Befragten mit „hoch“ oder „sehr hoch“. Knapp 12 % der SalzburgerInnen bewerten ihren Lebensstandard als „sehr niedrig“ oder „eher niedrig“. Lebensstandard und Lebensqualität korrelieren hoch (r = .76; p = 0.01). Die Einschätzung der eigenen Lebensqualität steht damit in engem Zusammenhang mit der Zufriedenheit mit dem eigenen Lebensstandard.

In % sehr niedrig eher niedrig mittelmäßig eher hoch sehr hoch MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2016 2,8 8,7 25,4 42,2 21,9 7,0 2,0
Österreich 2016 2,9 8,9 21,0 41,6 25,6 7,1 2,2

Die Zufriedenheit mit dem Lebensstandard ist zwischen den Geschlechtern gleich, unterscheidet sich aber nach dem Alter, der Ausbildung und der beruflichen Stellung. Jüngere bewerten ihren Lebensstandard geringer (MW: 3,6) als Ältere (MW: 3,9), ebenso Personen ohne Matura (MW: 3.6) geringer als Personen mit Matura (MW: 3,9). ArbeiterInnen bewerten ihren Lebensstandard deutlich geringer (MW: 3,4) als Personen mit höherer beruflicher Stellung.
Den zwei Fragen nach dem Zeitwohlstand lässt sich entnehmen, wie zufrieden die SalzburgerInnen mit der verfügbaren Zeit für Dinge, die sie gerne machen, und für ihnen wichtige Personen sind. Eine Mehrheit der SalzburgerInnen (56 %) ist mit der verfügbaren Zeit für Dinge, die sie gerne macht, zufrieden, 22 % nur teilweise und 22 % sind nicht zufrieden.

Die Geschlechter unterscheiden sich nicht, aber SalzburgerInnen unter 45 Jahren sind deutlich weniger zufrieden als ältere. Weniger als die Hälfte ist zufrieden (47 %), 25 % nur teilweise und 27 % sind nicht zufrieden.

In % trifft überhaupt nicht zu trifft eher nicht zu teils/teils trifft eher zu trifft voll und ganz zu MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2016 8,8 13,1 22,1 33,4 22,6 3,5 1,2
Österreich 2016 8,4 16,6 21,1 26,0 27,9 3,5 1,3

Rund zwei Drittel der SalzburgerInnen haben ausreichend Zeit für Personen, die ihnen wichtig sind, für 15 % trifft das nicht zu. Zeitwohlstand ist eine Frage des Alters. Während Personen unter 45 Jahren zu rund 54 % zufrieden sind, sind es bei den älteren Personen über 77 %.

In % trifft überhaupt nicht zu trifft eher nicht zu teils/teils trifft eher zu trifft voll und ganz zu MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2016 4,8 10,2 20,2 38,8 26,0 3,7 1,1
Österreich 2016 4,7 9,9 18,4 33,7 33,3 3,8 1,1

Für viele bedeutet Lebensqualität, dass ihr Leben den selbstgewählten Wünschen entspricht. Ein hoher Grad an Wunscherfüllung schlägt sich dann in hoher Lebensqualität nieder. Für mehr als zwei Drittel der SalzburgerInnen ist das Leben im Großen und Ganzen so, wie sie sich das vorstellen. 18 % können dieser Aussage nicht ganz zustimmen und für rund 13 % trifft die Aussage überhaupt nicht zu. Für Menschen unter 45 Jahren sowie für ArbeiterInnen verläuft das Leben weniger häufig so, wie sie es sich vorstellen.

In % trifft überhaupt nicht zu trifft eher nicht zu teils/teils trifft eher zu trifft voll und ganz zu MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2016 4,4 8,9 18,3 41,9 26,4 3,8 1,1
Österreich 2016 3,7 11,3 18,7 35,2 31,0 3,8 1,1
Teleologisch geprägte Zugänge von Lebensqualität gehen davon aus, dass Menschen ihr Handeln auf Ziele ausrichten und generell zufriedener sind, wenn sie ihre Ziele erreichen. Ziele zu verfolgen, verleiht dem Leben Sinn.

Für rund 40 % der SalzburgerInnen wie der ÖsterreicherInnen lohnt sich das Leben voll und ganz, für weitere 35 % trifft die Aussage „Ich denke, das sich das, was ich im Leben mache, lohnt“ eher zu. Rund 17 % antworten teils/teils und knappe 8 % stimmen der Aussage eher nicht oder gar nicht zu. Der Mittelwert liegt auf der Skala (1 = trifft gar nicht zu; 5 = trifft voll und ganz zu) bei 4,1. Bei Frauen wie Männern sind die Werte gleich verteilt.

Deutliche Unterschiede zeigen sich beim Alter: Personen unter 45 Jahren erreichen einen Mittelwert von 3,9, Personen über 45 Jahren 4,3. Bei jüngeren SalzburgerInnen hegen 22 % Zweifel, ob sich das, was sie im Leben machen, lohnt, knapp 11 % verneinen diese Frage.

Während ein Drittel der Befragten unter 45 Jahren mehr oder weniger starke Zweifel am Sinngehalt ihres Lebens hegt, ist das bei älteren SalzburgerInnen nur zu 14 % der Fall. Auch ArbeiterInnen beantworten diese Frage im Durchschnitt anders (MW: 3,8): 30 % stimmen der Aussage nicht zu.

In % trifft überhaupt nicht zu trifft eher nicht zu teils/teils trifft eher zu trifft voll und ganz zu MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2016 2,2 5,4 16,8 35,8 39,8 4,1 1,0
Österreich 2016 3,3 4,4 16,5 34,9 40,9 4,1 1,0

Auf den sozialen Aspekt verweist die Aussage „Am schönsten ist es, gebraucht zu werden“. Der subjektive Lebenssinn wird hier in der Eingebundenheit in die Gemeinschaft verortet. Rund drei Viertel der SalzburgerInnen stimmen der Aussage zu, 20 % teilweise und knapp 6 % lehnen diese Aussage ab. Wiederum zeigen sich die größten Unterschiede beim Alter: Rund 30 % der unter 45-Jährigen stimmen der Aussage nicht zu, aber nur 21 % der älteren SalzburgerInnen.

In % trifft überhaupt nicht zu trifft eher nicht zu teils/teils trifft eher zu trifft voll und ganz zu MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2,1 3,7 20,4 36,1 37,7 4,0 1,0
Österreich 4,0 4,3 18,3 33,8 39,6 4,0 1,1

Für 18,5 % der SalzburgerInnen trifft die Aussage „Das Leben ist so kompliziert geworden, dass ich mich manchmal kaum zurecht finde“ eher oder voll und ganz zu. 64 % der SalzburgerInnen und in etwa ein gleicher Prozentsatz der österreichischen Vergleichsgruppe stimmt der Aussage überhaupt nicht oder eher nicht zu. Im Vergleich zur EU-SILC-Befragung aus dem Jahr 2013, bei der die gleichlautende Frage der österreichischen Bevölkerung vorgelegt wurde, ist der Anteil an der Bevölkerung, der über zu hohe Komplexität in der Lebensführung berichtet, 2016 deutlich höher. EU-SILC wies 2013 13 % Zustimmung zu dieser Aussage auf und 82 % Ablehnung.

In % trifft überhaupt nicht zu trifft eher nicht zu teils/teils trifft eher zu trifft voll und ganz zu MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 2016 43,8 19,6 18,1 14,2 4,3 2,2 1,3
Österreich 2016 46,1 15,7 19,9 12,7 5,6 2,1 1,3
82 % der SalzburgerInnen sehen sich eher oder ganz sozial integriert. Der Aussage „Ich fühle mich von der Gesellschaft ausgeschlossen“ stimmen 8 % der SalzburgerInnen eher oder ganz zu. Vor allem ArbeiterInnen sehen sich signifikant häufiger (MW: 1,9) von mangelnder Teilhabe und sozialer Einbindung betroffen.

In % trifft überhaupt nicht zu trifft eher nicht zu teils/teils trifft eher zu trifft voll und ganz zu MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 68,6 13,3 10,0 5,6 2,5 1,6 1,0
Österreich 74,3 9,6 8,6 4,6 2,9 1,5 1,0
Auf die affektiven Komponenten für das subjektive Wohlbefinden zielt die hedonische Aussage „Für intensive Glückmomente lohnt es sich zu leben“. 87 % der SalzburgerInnen sehen ihren subjektiven Lebenssinn im intensiven Glückserleben. Mehr als andere abgefragte Aspekte des Wohlbefindens stehen intensive glückliche Erlebnisse für hohe Lebensqualität. Lediglich 3 % der Befragten sehen im affektiven Glück kein Lebensziel.

In % trifft überhaupt nicht zu trifft eher nicht zu teils/teils trifft eher zu trifft voll und ganz zu MW (1–5) Std.abweichung
Salzburg 0,5 2,3 10,8 25,0 61,5 4,5 0,8
Österreich 1,3 2,0 7,6 25,3 63,7 4,5 0,8
Eine negative Erwartungshaltung kann einen psychischen Belastungsfaktor darstellen, der Ängste darüber zum Ausdruck bringt, ob Ansprüche, Erwartungen und Hoffnungen hinsichtlich der eigenen Wünsche und Ziele aufrechtzuerhalten sind, kann aber auch gesunderhaltende Adaptionsprozesse in Gang bringen. Eine deutliche Mehrheit von 84 % der SalzburgerInnen erwartet nicht, dass das Leben in 15 Jahren besser und leichter sein wird, nur rund 16 % sind optimistisch und halten diese Entwicklung für wahrscheinlich.

In % sehr wahrscheinlich eher wahrscheinlich eher unwahrscheinlich sehr unwahrscheinlich Mittelwert
Salzburg 2016 1,8 14,3 58,1 25,7 3,1
Österreich 2016 3,1 14,4 61,0 21,5 3,0
Mehr als drei Viertel der SalzburgerInnen gehen im Gegenteil sogar davon aus, dass wir uns in der Lebensführung deutlich einschränken müssen. Die pessimistische Zukunftshaltung bringt deutlich das mangelnde Vertrauen in die Institutionen zum Ausdruck, den gegebenen Lebensstandard aufrechterhalten zu können.

In % sehr wahrscheinlich eher wahrscheinlich eher unwahrscheinlich sehr unwahrscheinlich Mittelwert
Salzburg 2016 22,9 53,8 17,3 3,1 2,0
Österreich 2016 24,3 53,8 18,1 3,8 2,0
Ein Drittel der SalzburgerInnen hält es für sehr unwahrscheinlich, dass es in 15 Jahren Arbeit und soziale Sicherheit für alle geben wird, die Hälfte der Bevölkerung hält das für eher unwahrscheinlich. Lediglich 17 % halten das für eher oder sehr wahrscheinlich.

In % sehr wahrscheinlich eher wahrscheinlich eher unwahrscheinlich sehr unwahrscheinlich Mittelwert
Salzburg 2,2 14,9 49,9 33,0 3,1
Österreich 3,1 13,9 52,1 30,9 3,1