Große Teile eines Lebens werden in Arbeit und Beruf verbracht. Die berufliche Situation eines Menschen wirkt sich auf seine finanziellen Möglichkeiten, den individuellen Lebensstandard, die soziale Anerkennung und die zeitlichen Verfügbarkeiten ganz wesentlich aus. Arbeit und Beruf sind daher eine Schlüsseldimension für Lebensqualität. Die Indikatorenliste umfasst u.a. die allgemeine Beschäftigungs- und Arbeitslosenrate, das Durchschnittseinkommen, die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz und die Work-Life-Balance der Menschen in Salzburg im gesamtösterreichischen Vergleich.

Beschäftigung

Ein hohes Beschäftigungsausmaß ist nicht nur ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Dynamik eines Wirtschaftsraums und erleichtert die Finanzierung (sozial-)staatlicher Ziele, es ist nicht zuletzt eine wichtige Komponente für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Lebensqualität. Damit soll auch sichergestellt werden, dass die Vorteile des Wirtschaftswachstums allen zugutekommen. In diesem Sinn hat der Europäische Rat im Rahmen der EU-2020-Strategie im Jahr 2010 mehr und bessere Arbeitsplätze als einen Schlüsselbereich seiner Politik festgelegt (Europäische Kommission, 2010).

In den vergangenen Jahrzehnten wurde auch im Bundesland Salzburg ein sukzessive höherer Anteil der erwerbsfähigen Personen der Wohnbevölkerung in das Arbeitsmarktsystem integriert. Ursächlich dafür war v. a. die Kombination zweier Faktoren: einerseits der starke Anstieg der Frauenerwerbsbeteiligung und andererseits die Zunahme unselbständiger Teilzeitarbeit.

Die wohnortbezogene Erwerbsquote gibt den Anteil der unselbständig und selbständig Beschäftigten sowie der arbeitslos vorgemerkten Personen an der 15- bis 64-jährigen männlichen bzw. 15- bis 59-jährigen weiblichen Wohnbevölkerung an.

In Salzburg war sie im Jahr 2015 mit 79,6 % die höchste in ganz Österreich (76,6 %). Sowohl bei Männern (81,4 % als auch bei Frauen 77,5 %) war Salzburg im Vergleich der Bundesländer führend (AMS 2016).

in % 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Salzburg 73 73,4 74,5 75,2 76,1 78 78,9 79,6
Österreich 72,3 72,4 73 73,6 74,2 75,1 75,9 76,6
Arbeitslosigkeit hat nicht nur kurzfristig negative materielle Auswirkungen, auch die langfristigen Wirkungen („scarring effects“) der Arbeitslosigkeit sind beträchtlich. So verschlechtern Arbeitslosigkeitsepisoden zukünftige Jobchancen selbst bei gleicher Qualifikation wie bei nichtarbeitslosen Personen. Wiederholt hat sich gezeigt, dass Arbeitslosigkeit zu den Lebensumständen mit den negativsten Auswirkungen auf das subjektive Wohlbefinden gehört.

Kognitive Fähigkeiten (z.B.: Informationsverarbeitungskompetenz) beschränken Produktivität und Adaptionsfähigkeit. Nicht-Kognitive wie Verläßlichkeit, Selbstdisziplin, soziale Fahigkeiten wie Kommunikations, Anpassungsfähigkeit, Beständigkeit oder Selbstvertrauen werden beeinträchtigt.

(Quelle: Daly, M.; Delany, L.: The scarring effect of unemployment throughout adulthood on psychological distress at age 50: Estimates controlling for early adulthood distress and childhood psychological factors, in: Social Science & Medicine, Volume 80, 2013(3), S.19-23 Sullivan und Wachter konnten zeigen, dass die Sterblichkeitsraten nach dem Verlust des Arbeitsplatzes um 50 % bis 100 % ansteigen (Sullivan und Wachter 2009).

Auch ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und dem Ausmaß bzw. der Dauer von Krankenständen ist empirisch klar belegt: Biffl et al. (2008) zeigten, dass die Krankenstandsquoten der Arbeitslosen deutlich höher sind als die Krankenstandquoten der aktiv Beschäftigten. Für Deutschland zeigten Badura et al. (2006), dass Arbeitslose ein höheres Krankheitsrisiko aufweisen als Beschäftigte.

Der negative Einfluss von Arbeitslosigkeit auf die gesamte Lebenszufriedenheit ist vergleichsweise gut erforscht. So berichten Alesina et al., dass 40 % der europäischen Arbeitslosen Unzufriedenheit mit dem Leben bekunden gegenüber 19 % der Gesamtbevölkerung, lediglich 15 % der Betroffenen gegenüber 26 % der Gesamtbevölkerung sind sehr zufrieden (Alesina et al. 2001).

Die wohlbefindenssenkenden Auswirkungen von Arbeitslosigkeit haben sich als kulturübergreifend gültig erwiesen. So ermittelten Di Tella et al. (2003), dass durchschnittliche amerikanische Arbeitslose bloß 54 % der üblichen Lebenszufriedenheit erreichen.

In diversen Untersuchungen wurden die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit von den damit verbundenen Einkommensverlusteffekten isoliert. Dabei wird untersucht, um wie viel eine arbeitslose Person mit dem Einkommen x Euro unzufriedener ist als eine beschäftigte Person mit denselben persönlichen Charakteristika (Geschlecht, Alter, Stand etc.) und demselben Einkommen. Blanchflower und Oswald (2004, 13) schätzen den puren Arbeitslosigkeitseffekt mit 60.000 US-Dollar im Jahr. Selbst wenn man die absolute Höhe dieses Werts in Zweifel zieht, da der Effekt des Einkommens auf die Lebenszufriedenheit nicht allzu hoch ist und der Nutzenverlust von Erwerbsarbeit kaum in monetären Maßstäben auszudrücken ist, sprechen doch die Zahlenverhältnisse eine klare Sprache.

In einer ähnlichen Studie wurde der auf diese Weise isolierte Arbeitslosigkeitseffekt quantitativ als äquivalent mit einem Sturz vom obersten in das unterste Einkommensquartil berechnet (Di Tella et al. 2003, 812). Nach Helliwell (2002) entspricht der isolierte Arbeitslosigkeitseffekt, der Verlust an Lebensqualität durch Arbeitslosigkeit, einer Reduzierung der Einschätzung der Gesundheit um ein Fünftel.

Lucas et al. (2004) kamen zur Erkenntnis, dass selbst bei späterer Wiederaufnahme von Erwerbsarbeit das alte Zufriedenheitsniveau vor der Arbeitslosigkeit nicht wieder erreicht wird. Arbeitslosigkeit zeitigt Wirkungen weit über die Betroffenen hinaus. Uhde weist einen Rückgang der Lebenszufriedenheit nach, wenn die Sorgen um den Arbeitsplatz zunehmen (Uhde 2010, 425).

Nicht nur Arbeitslosigkeit lässt das individuelle Wohlbefinden sinken, auch die Sorge um den Arbeitsplatz reduziert die Lebenszufriedenheit deutlich.

Interessanterweise reduziert Arbeitslosigkeit auch die Lebenszufriedenheit der davon nicht Betroffenen (Clark und et al. 2008). Di Tella et al. (2003, 809) sprechen in diesem Zusammenhang von einem „fear effect”. Ob der isolierte Einfluss der Arbeitslosigkeit den Rückgang der gesamten Lebenszufriedenheit umfassend erklären kann, scheint allerdings fraglich. Eine alternative Erklärung wäre eine durch Vergleichsprozesse moderierte Absenkung des Anspruchsniveaus an die Arbeitsbedingungen durch die ArbeitsplatzbesitzerIn. In diesem Sinne interpretieren Grössenberger und Hofbauer (2016, 565) die steigenden Werte des Salzburger Arbeitsklima Index nach 2012 bei gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit.

Die Arbeitslosigkeit im Bundesland Salzburg hat sich zwischen 1995 und 2015 im Verhältnis zum Beschäftigungswachstum deutlich stärker erhöht. Waren 1995 noch 9.280 Arbeitslose beim damaligen Arbeitsamt gemeldet, stieg die Zahl bis zum Jahr 2015 auf 15.450 Personen an. Der Zuwachs von 6.170 Personen entspricht einer Steigerung von 66 %.

Im Jahresdurchschnitt 2015 waren 6.606 Frauen und 8.844 Männer von Arbeitslosigkeit betroffen. Das bessere Abschneiden von Frauen bei der Arbeitslosigkeit hat mehrere Ursachen: Einerseits die geringere Einbindung insbesondere älterer Frauen mit niedrigerer Qualifikation in das Beschäftigungssystem, andererseits sind Frauen nach wie vor in wenigen Branchen mit hoher Dienstleistungsorientierung aktiv, die weniger konjunkturell bedingter Arbeitslosigkeit ausgesetzt sind.

Als Indikator für die Arbeitslosigkeit liegt die Arbeitslosenquote nahe. Die Arbeitslosenquote stieg im selben Zeitraum von 4,2 % auf 5,9 % an. Im Vergleich mit den gesamtösterreichischen Werten weist Salzburg eine deutlich niedrigere Arbeitslosenrate auf.

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Salzburg 3,9 5,1 4,7 4,5 4,7 5,1 5,7 5,9
Männer 3,9 5,6 4,9 4,7 4,9 5,5 6,1 6,4
Frauen 3,9 4,7 4,4 4,3 4,4 4,7 5,2 5,3
Österreich 5,8 7,2 6,9 6,7 7 7,6 8,4 9,1
Männer 6,1 7,9 7,5 7,1 7,4 8,2 9 9,8
Frauen 5,6 6,3 6,3 6,3 6,5 7 7,6 8,3
Langzeitbeschäftigungslosigkeit verringert durch die Ausgrenzung vom Erwerbsarbeitsmarkt als zentraler sozialer Integrationsinstanz die Lebensqualität dramatisch. Empirisch gut belegt ist, dass sich mit der Dauer der Arbeitslosigkeit die negativen Auswirkungen auf das subjektive Wohlbefinden und den Gesundheitszustand verstärken. Badura et al. (2006) berichten, dass nach einer Langzeitarbeitslosigkeit von zwei Jahren bei 32 % der Arbeitslosen gesundheitliche Beeinträchtigungen festzustellen sind. Die Beeinträchtigungen liegen damit doppelt so hoch wie bei Kurzzeitarbeitslosen.

Hollederer und Brand (2006) zeigten, dass sich besonders das psychische Befinden bei Arbeitslosigkeit verschlechtert und dass insgesamt das Krankheits- und Mortalitätsrisiko mit der Dauer der Arbeitslosigkeit deutlich ansteigt.

Im Bundesland Salzburg ist der saisonale Anteil der Arbeitslosigkeit durch den hohen Anteil der Tourismuswirtschaft hoch. Die Arbeitslosenrate schwankt zwischen 1990 und 2014 im Jahresverlauf regelmäßig um rd. 6.000 Arbeitslose. Arbeitslosigkeitsepisoden werden daher vielfach nicht als existenzgefährdend empfunden, insbesondere dann nicht, wenn eine Wiederbeschäftigung mit der/dem ArbeitgeberIn vereinbart wurde. Daher kann davon ausgegangen werden, dass zumindest für diesen Teil der Arbeitslosen die beschäftigungslose Zeit nicht als sorgenvolle Zeit gesteigerter Zukunftsängste empfunden wird.

Daher bieten mit Blick auf die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die individuelle Lebensqualität zusätzlich zur Arbeitslosenrate Daten zur Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit wichtige Informationen.

In den vergangenen Jahren war ein Anstieg lang anhaltender Arbeitslosigkeit zu beobachten. An Langzeitarbeitslosigkeit auf Basis von Registerdaten wird sichtbar, wie lange eine Person ohne Berücksichtigung kürzerer Unterbrechungen bereits arbeitslos vorgemerkt ist. Da sich auch bei längeren Unterbrechungen der Arbeitslosigkeit an der Beschäftigungssituation der betroffenen Person zunächst nichts ändert, wird mit der Langzeitbeschäftigungslosigkeit eine weiter gefasste Kennzahl ermittelt, um langanhaltende Arbeitslosigkeit zu messen.

Ein deutlich erhöhtes Risiko, von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen zu sein, haben Menschen mit integrationshemmenden Merkmalen wie beispielsweise einem höheren Erwerbsalter, einer gesundheitlichen Einschränkung, einem niedrigen Ausbildungsniveau sowie mit einer gesundheitlichen Vermittlungseinschränkung.

Im Bundesland Salzburg stieg die Langzeitbeschäftigungslosigkeit zwischen 2009 und 2015 von 10 % auf 16,2 %. Dieser Wert besagt, dass 16,2 % oder rd. 2.500 Arbeitslose aller registrierten arbeitslosen Personen des Jahres 2015 langzeitbeschäftigungslos waren. Im Österreichvergleich liegt Salzburg trotz des markanten Anstiegs Langzeitbeschäftigungsloser weit unter dem österreichischen Wert von 31 %. Neben der angespannten Arbeitsmarktlage liegt ein Grund für diese Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit auch in einer Reduktion der Zahl von Schulungen. Gleichzeitig ist die Zunahme aber natürlich auch ein deutlicher Hinweis auf eine Verfestigung von Arbeitslosigkeit (AMS 2016, 24).

In % 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Salzburg 10 10 9 9,7 11,1 13,7 16,2
Österreich 19 19 18 19 20 24 31

Qualifikationsstruktur/Weiterbildung

Bezogen auf die allgemeine Lebenszufriedenheit der Wohnbevölkerung sollte der Einfluss des formalen Bildungsabschlusses nicht überschätzt werden. Diener et al. (1999) sowie Helliwell (2002) fanden keinen großen Bildungseffekt auf die Lebenszufriedenheit.

Die Arbeitszufriedenheitsforschung zeichnet dagegen ein durchwegs anderes Bild: Ein seit Jahren durchgängiger Befund unterschiedlicher Untersuchungen (Hadjar et al. 2008) ist die signifikante Wirkung des formalen Bildungsabschlusses auf die Arbeitszufriedenheit. Dass die Zufriedenheit mit der Bildung steigt, gilt für alle Länder der europäischen Union (Poggi und Villosio 2015, 72). So schreibt auch Preinfalk (2012, 8) mit Blick auf Österreich: „Der wirklich dominierende Faktor für die Entwicklung von hoher Arbeitszufriedenheit ist Bildung.“ Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit entsteht allerdings erst „in der kontinuierlichen Ausübung einer ausbildungsadäquaten Tätigkeit mit den damit verbundenen Vorteilen und nicht schon durch den hohen Bildungsabschluss“ (Eichmann und Saupe 2014, 281).

ArbeitnehmerInnen mit Matura oder Hochschulabschluss weisen im Längsschnitt betrachtet eine höhere Arbeitszufriedenheit auf als die übrigen Bildungsgruppen. Zudem sind höher qualifizierte ArbeitnehmerInnen weniger (körperlichen) Belastungen ausgesetzt und haben auch einen leichteren Zugang zu Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Daten aus dem Salzburger Arbeitsklima Index bestätigen den beträchtlichen Einfluss des formalen Bildungsabschlusses auf die Arbeitszufriedenheit. Personen mit Pflichtschulabschluss erreichten 2014 93 Indexpunkte des Arbeitsklima Index, Personen mit Lehrabschluss 101 Indexpunkte, Personen mit Fach- oder Handelsschulabschluss 107 Indexpunkte und Personen mit Matura oder Hochschule als höchstem Bildungsabschluss erreichten 112 Indexpunkte.

Deutlich wird zudem der im Zeitverlauf steigende Einfluss der Qualifikation auf die gesamte Arbeitszufriedenheit. Lag die Differenz der gesamten Arbeitszufriedenheit zwischen Hochqualifizierten und Niedrigqualifizierten zur Hochkonjunktur 2005 innerhalb von sieben Indexpunkten, so ist sie bis 2014 auf 19 Indexpunkte angestiegen.

In den vergangenen Jahren hat sich das Profil der höchsten abgeschlossenen Ausbildung der Salzburger Erwerbsbevölkerung sukzessive verändert. Der Anteil von Personen mit einer Pflichtschule als höchster abgeschlossener Ausbildung ist zwischen 2007 und 2013 von 16,4 % auf 12,9 % zurückgegangen. Der Anteil der Erwerbspersonen mit Lehrabschluss hat sich im Beobachtungszeitraum von 43,6 % auf 43,9 % geringfügig erhöht. Um zwei Prozentpunkte von 14,1 % auf 12,1 % hat sich der Anteil von Personen mit berufsbildender mittlerer Schule reduziert, um 1,3 % von 13,3 % auf 14,7 % hat sich dagegen der Anteil von Personen mit höherem Schulabschluss erhöht. Um knapp 13.000 oder von 12,7 % auf 16,5 % hat sich die Zahl der Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss erhöht, auch als Folge des Trends der Akademisierung von Berufsausbildungen (Statistik Austria 2016).

In % Pflichtschule Lehre BMS Höhere Schule Tertiärabschluss
2007 16,4 43,6 14,1 13,3 12,7
2008 15,3 41,6 14,9 14,8 13,4
2009 14,1 43,0 14,5 14,1 14,2
2010 14,7 41,2 13,7 15,3 15,1
2011 14,2 43,4 13,9 14,1 14,4
2012 13,2 43,9 13,2 14,8 14,9
2013 12,9 43,9 12,1 14,7 16,5
2014

Daten zu den Weiterbildungsaktivitäten der erwachsenen Bevölkerung bzw. zur beruflichen Weiterbildung im engeren Sinn liefern periodisch durchgeführte europaweite Repräsentativbefragungen wie die Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung, der AES – Adult Education Survey (2007, 2011/12) sowie die Unternehmensbefragungen.

Hier wird auf den Strukturindikator „Lebenslanges Lernen“ (LLL) Bezug genommen, zu dessen Erhebung sich die EU-Mitgliedsländer verpflichtet haben und der Teil der Strukturindikatoren für Beschäftigung ist. „Lebenslanges Lernen“ wird von der Europäischen Kommission definiert als „alles Lernen während des gesamten Lebens, das der Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen dient und im Rahmen einer persönlichen, bürgergesellschaftlichen, sozialen bzw. beschäftigungsbezogenen Perspektive erfolgt“ (Europäische Kommission 2001, 9).

Gefragt wird bei den 25- bis 64-Jährigen nach ihrer Teilnahme an Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen in den letzten vier Wochen vor der Erhebung. 2014 ergab der Strukturindikator einen Wert von 14,2 % für Österreich. Im Jahr 2020 soll eine Quote von 20 % erreicht werden. Im europäischen Vergleich liegt Österreich beim LLL-Bildungsstrukturindikator über dem EU-21-Durchschnitt (zugleich OECD-Länder) von 11,8 %, allerdings weit hinter den Vorreitern Dänemark (32,5 %), Schweden (25 %) oder Finnland (23,8 %) – und zugleich deutlich vor Ländern wie Deutschland (7,8 %) und Frankreich (5,5 %) (Austria, Bildung in Zahlen 2013, 65).

Das Bundesland Salzburg liegt 2014/15 beim Indikator Weiterbildung mit 12,7 % um 1,5 Prozentpunkte hinter dem österreichischen Wert.

2003 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15
Salzburg 14,6 12,8 13,2 13 12,7
Österreich 12,6* 13,4 14,1 14 14,2

Frauen und Männer haben sich in ähnlichem Umfang an Weiterbildungsmaßnahmen beteiligt, allerdings zeigen sich für Frauen Benachteiligungen in der beruflichen Weiterbildung. Insgesamt zeigt sich, je höher das schulische Ausbildungsniveau ist, desto höher ist auch die Weiterbildungsbeteiligung.
International ist es in den letzten Jahrzehnten in den meisten westlichen Gesellschaften im Zuge der Flexibilisierung und Deregulierung von Arbeitsmärkten zu einer Restrukturierung von Beschäftigungsverhältnissen gekommen. Österreich konnte sich von dieser Entwicklung nicht abkoppeln, doch die ausgeprägte Rolle sozialpartnerschaftlicher verhandlungs- und Entscheidungsprozesse stellte über lange Zeiträume hohe Beschäftigungsstabilität sowie überwiegende Beschäftigung in Normalarbeitsverhältnissen sicher (Hermann und Flecker 2009, 22 ff.).

Mit der dynamischen Zunahme von Beschäftigungsverhältnissen in den vergangenen Jahrzehnten haben auch in Österreich neue Beschäftigungsformen zugenommen (Schappelwein und Mühlberger 2008, 948). „Atypische“ Beschäftigungsformen bringen dabei die Abweichung vom Normarbeitsverhältnis im Hinblick auf Arbeitsintensität, Betriebsbindung und ökonomische Absicherung zum Ausdruck. „Prekäre“ Beschäftigungsformen stellen stärker auf die ökonomische Absicherung der Beschäftigten ab: Diese Beschäftigungsformen bringen weder eine ausreichende ökonomische Absicherung über die Entlohnung noch die mit der Entlohnung verbundene Absicherung gegen soziale Risiken mit sich: Geringfügige Beschäftigung, freie Dienstverträge, Werkverträge, neue Selbständige aber auch Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse mit sehr geringen Stundenlöhnen können hier klassifiziert werden (Lutz und Mayrhuber 2010, 6 ff.).

Auch im Bundesland Salzburg haben atypische und prekäre Beschäftigungsformen in den letzten Jahrezehnten zugenommen, können allerdings durch die an typischen und durchschnittlichen Erscheinungen orientierte administrative Arbeitsmarktstatistik nur unzureichend erfasst und abgebildet werden.

Der Indikator „Ausmaß der Erwerbsintegration“ setzt auf der Makroebene an und fokussiert auf die gesellschaftliche Frage, inwieweit es dem Beschäftigungssystem gelingt, Erwerbstätige dauerhaft in den Arbeitsmarkt einzubinden. Für die Beschäftigten sind durch diesen für subjektives Wohlbefinden und Lebensqualität wichtigen Indikator Fragen des Vertrauens, der Planungssicherheit und der Sorgenfreiheit durch dauerhafte Beschäftigung angesprochen, die über die unmittelbare Arbeitsplatzqualität weit hinausreichen.

Operationalisiert wird der Indikator im Rahmen einer WIFO-Studie (Horvath und Mahringer 2014), indem auf der Grundlage der Individualdaten des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger und des AMS Arbeitskräfte hinsichtlich ihrer Erwerbsteilnahme am Arbeitsmarkt in drei Gruppen unterschieden werden: Arbeitskräfte mit starker Erwerbsintegration (mehr als 90 % der Arbeitstage eines Jahres in Beschäftigung), Arbeitskräfte mit überwiegender Beschäftigungsintegration mit mindestens 50 % in Beschäftigung und Arbeitskräfte mit schwacher Erwerbsintegration, wenn sie weniger als 50 % der Arbeitstage eines Jahres in Beschäftigung standen. Danach werden diese Erwerbsgruppen hinsichtlich ihrer beruflichen Stellung in unselbständige Vollzeitbeschäftigung, unselbständige Teilzeitbeschäftigung, atypische Beschäftigung, sonstige und selbständige Beschäftigung unterschieden. Dabei wurde jede Arbeitskraft mit jener Beschäftigungssituation und jener Branche identifiziert, die im jeweiligen Kalenderjahr überwiegt. Die Auswertung erfolgte für die Jahre 2000, 2006 und 2012. Die Identifikation von Vollzeit- oder Teilzeitarbeitsverhältnissen erfolgte auf Basis der Mikrozensen der korrespondierenden Jahre sowie auf der Grundlage von Probit-Schätzungen (Horvath und Mahringer 2014). Eine Regionalisierung der Ergebnisse auf Bezirksebene erfolgte durch Verschneidung der anonymisierten Daten des Hauptverbands mit der regionalen Beschäftigungsstatistik für Salzburg.

Der Anteil stark integrierter Erwerbspersonen lag 2012 mit 83,5 % um einen Prozentpunkt niedriger als im Jahr 2000. Überwiegend integriert waren 2012 mit 11,9 % um 0,6 Prozentpunkte mehr als 2000, schwach integriert mit 4,6 um 0,4 Prozentpunkte mehr Personen als im Jahr 2000.

Im Beobachtungszeitraum zwischen 2000 und 2012 mündete die zusätzliche Beschäftigung im Bundesland Salzburg damit zu 75 % in Beschäftigungsverhältnisse mit starker Erwerbsintegration, unabhängig vom Beschäftigungsausmaß. Zu 16,3 % mündete die zusätzliche Beschäftigung in Erwerbsverhältnisse mit überwiegender Integration und zu 7,8 % in solche mit schwacher Integration.

Im Österreichvergleich zeigt sich für Salzburg eine geringere Integration der Erwerbspersonen in den Arbeitsmarkt. Der Anteil stark integrierter Erwerbspersonen liegt mit 83,5 % deutlich unter dem österreichischen Vergleichswert mit 86 %. Der Anteil überwiegend integrierter Personen liegt dagegen um 1,9 Prozentpunkte und der Anteil schwach integrierter Personen um 0,6 Prozentpunkte über dem Österreichwert.

In % Salzburg Österreich
2000 2012 2000 2012
Starke Integration 84,2 83,5 86,5 86,0
Überwiegende Integration 11,3 11,9 11,9 10,0
Schwache Integration 4,2 4,6 4,6 4,0

Arbeitssituation

Gesundheitsaspekte des Arbeitslebens

Es gehört zu den Grunderkenntnissen der Arbeitszufriedenheitsforschung wie auch der Sozialmedizin, dass die Arbeitsbedingungen einen wesentlichen Einfluss auf die individuelle Gesundheit der einzelnen Personen nehmen und die Wahrnehmung der eigenen Arbeitsbedingungen damit für die subjektive Arbeitszufriedenheit (und in weiterer Folge für die Lebenszufriedenheit) von überragender Bedeutung ist. Auch der Zusammenhang zwischen arbeitsbezogener Gesundheitssituation und Arbeitszufriedenheit ist gut dokumentiert: Personen mit guter Gesundheit sind mit ihrer Arbeitssituation demnach zufriedener. So schreibt Raml unter Verweis auf langjährige Daten aus dem Arbeitsklima Index: „Personen mit niedrigen Arbeitsklima-Werten sind kaum als ganzheitlich gesund einzustufen, und bei den 25 % mit den höchsten Werten, also Personen mit sehr guten Arbeitsbedingungen sind 80 % als ganzheitlich gesund einzustufen“ (Raml 2012, 19).

Ein kontinuierliches Monitoring von arbeitsplatzbezogenen Gesundheitsproblemen ist daher im Hinblick auf die Arbeitszufriedenheit wichtig.

Als Quellen für arbeitsplatzbezogene Belastungen sowie Gesundheitsprobleme stehen mehrere Quellen zur Verfügung, von denen die bekanntesten mit zumindest teilweise regionalisierten Daten der jährlich durchgeführte Fehlzeitenreport des WIFO, der Arbeitsgesundheitsmonitor von IFES, die Ad-hoc-Module zu arbeitsplatzbezogenen Gesundheitsbedingungen im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebungen sowie die österreichische Gesundheitsbefragung sind. Die genannten Quellen werfen jeweils unterschiedliche Blicke auf arbeitsbezogene Gesundheitsaspekte.

Ihren sichtbarsten Ausdruck findet der Gesundheitszustand bzw. Gesundheitsprobleme von ArbeitnehmerInnen durch das Fernbleiben vom Arbeitsplatz. In Österreich waren die unselbständig Beschäftigten 2014 im Jahresverlauf durchschnittlich 12,3 Tage im Krankenstand, um fast 5 % weniger als 2013 (13,0 Tage). Dieser Wert entspricht einer Krankenstandsquote, d. h. einem Verlust an Jahresarbeitstagen, von 3,4 %. Der Salzburger Vergleichswert liegt mit 2,8 deutlich darunter. Ein Blick auf die Krankenstandsursachen offenbart allerdings, dass die geringere Quote des Jahres 2014 zu einem guten Teil auf eine geringere Zahl an Atemwegserkrankungen zurückgeht und somit maßgeblich durch das Ausbleiben einer starken Grippewelle erklärt werden kann (Leoni 2014). Langfristig ist die Zahl der Krankenstandstage in Österreich wie in Salzburg rückläufig.

Der längerfristige Rückgang lässt sich nicht durch einen einzelnen Faktor erklären. Eindeutig vorteilhaft wirkten sich die Reduktion der Arbeitsunfälle und die Verschiebung der Wirtschaftsstruktur in Richtung Dienstleistungen auf die Entwicklung der Fehlzeiten aus. Auch andere langfristige Trends, wie die Erhöhung der Teilzeitbeschäftigung und die Zunahme von atypischen Beschäftigungsverhältnissen, dürften die Krankenstandsquote gedämpft haben.

Die graduelle Verschiebung in der demografischen Zusammensetzung der Beschäftigten wirkt sich dagegen ungünstig auf die Krankenstandsquote aus, darf aber nicht überschätzt werden. So berichtet Leoni (2014) von einem langfristigen alterungsbedingten Anstieg der Krankenstandsquote von einem knappen Krankenstandstag.

Das Bild der wichtigsten Krankenstandsursachen hat sich mit dem strukturellen Wandel der Arbeitswelt verändert. Der Krankenstand wird heute vor allem von den Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und jenen des Atemsystems geprägt. Zusammen verursachen diese Erkrankungen knapp 50 % der Krankenstandsfälle und gut 40 % aller Krankenstandstage. Der Anteil der Verletzungen an den Krankenstandsdiagnosen nahm dagegen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ab.

Ein klarer Aufwärtstrend ergibt sich dagegen nach wie vor für die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen, die, von einem geringen Niveau ausgehend, sowohl absolut als auch relativ zu den restlichen Krankheitsgruppen deutlich zunehmen. Dieser starke Aufwärtstrend dürfte aber zumindest teilweise auf eine Veränderung des Bewusstseins infolge einer geringeren gesellschaftlichen Stigmatisierung sowie einer gestiegenen diagnostischen Kompetenz von psychisch bedingten Gesundheitsproblemen zurückgehen.

Als Indikator für den Gesundheitszustand bzw. Gesundheitsprobleme von ArbeitnehmerInnen aus dem Blickwindel der individuellen Lebensqualität ist die Zahl der Krankenstandstage aus mehreren Gründen dennoch wenig geeignet. Einerseits aus administrativen Gründen, weil die Krankenstandsquote aufgrund der Untererfassung von kurzen Krankenstandsepisoden (bis zu drei Tagen) in Wirklichkeit höher liegt, als aus der Statistik hervorgeht.

Wichtiger aber ist der Umstand, dass Krankenstandstage gesundheitliche Probleme von ArbeitnehmerInnen im Zusammenhang mit arbeitsbezogener Lebensqualität nur sehr unvollständig abbilden. Zum einen weil ArbeitnehmerInnen trotz gesundheitlicher Probleme zur Arbeit gehen („Präsentismus“). So berichteten im Rahmen der österreichischen Gesundheitsbefragung 2014 über die Hälfte der berufstägigen Personen (52,5 %), dass sie während des vergangenen Jahres trotz gesundheitlicher Probleme zumindest einmal zur Arbeit gegangen sind (Klimont und Baldaszti 2014, 84). Dieser Wert ist gegenüber der vorangegangenen Gesundheitsbefragung 2006/7 unverändert und liegt im Bereich des gesamtösterreichischen Werts.

Zum anderen geht es im Zusammenhang von Lebensqualität und Gesundheit am Arbeitsplatz um ein umfassendes biopsychosoziales Gesundheitsverständnis, das alle Belastungssituationen umfasst, nicht nur jene, die in einen administrativ erfassten Krankenstand münden.

Wird Gesundheit nicht im Sinne eines bipolaren Zustands von „gesund“ vs. „krank“ verstanden, sondern eher im Sinne eines Kontinuums, bei dem man mehr oder weniger gesund sein kann, und wird Gesundheit weiters als multidimensionales Konstrukt verstanden, bei dem man etwa körperlich „gesund“, aber „psychisch“ krank sein kann, dann ist klar, dass eine eindimensionale Messung von Gesundheitsaspekten am Arbeitsplatz schnell unterkomplex wird und wenig Informationsgehalt bietet.

Die hier vorgeschlagenen Indikatoren für Gesundheitsaspekte des Arbeitslebens folgen den grundsätzlichen Überlegungen des gegenständlichen Projekts, Lebensqualität als auf objektive Umstände bezogene subjektive Bewertung zu verstehen. Im Hinblick auf Gesundheitsaspekte am Arbeitsplatz bedeutet das, aus einer Vielzahl von relevanten Einflussgrößen auf Gesundheitsaspekte am Arbeitsplatz und deren subjektiver Bewertungen jene Indikatoren auszuwählen, die neben körperlichen auch psychische Belastungsfaktoren und darauf bezogene subjektive Auswirkungen erfassen.

Als Quelle für die Indikatoren der Subdimension arbeitsplatzbezogene Gesundheitsprobleme werden hier Daten des Sondermoduls der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung zum Thema „Arbeitsunfälle und arbeitsbezogene Gesundheitsprobleme“ herangezogen, das Auskünfte darüber liefert, wie die Beschäftigten arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme sowie auch Arbeitsplatzbelastungen einschätzen. Weil hierfür zumindest teilweise regionalisierte Daten aus zwei Erhebungswellen 2006/7 sowie 2013 vorliegen, ist zudem ein zeitlicher Vergleich möglich.

Über arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme berichten im Bundesland Salzburg im Jahr 2013 51.500 oder 12,4 % der ehemals oder derzeit erwerbstätigen Personen. Die Quote der Betroffenen liegt damit in Salzburg um 3,2 Prozentpunkte unter dem österreichischen Vergleichswert. Gegenüber dem Jahr 2007 sind arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme aus der Perspektive der Salzburger Betroffenen um 3,3 Prozentpunkte zurückgegangen, während der österreichische Vergleichswert unverändert geblieben ist.

Über 80 % der Personen, die über arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme berichten, sind im Alltag bzw. im Berufsleben beeinträchtigt, davon 28 % in hohem Ausmaß (Statistik Austria 2014, 110).

Muskel- und Skelettprobleme, Stress und Depressionen sind die schwerwiegendsten arbeitsbedingten Gesundheitsprobleme. So gab beinahe ein Drittel der befragten Personen an, im Jahr vor der Befragung arbeitsbedingte Rückenprobleme gehabt zu haben.

In % 2006/7 2013
Salzburg 15,7 12,4
Österreich 15,6 15,6

Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit arbeitsbedingter Gesundheitsprobleme zu. Männer berichten dabei etwas häufiger über Probleme als Frauen. Deutlich überdurchschnittlich sind auch MigrantInnen von arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen betroffen (Statistik Austria 2014, 13). Am häufigsten treten arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme im Gesundheits- und Sozialwesen, am Bau und in der Landwirtschaft auf.

Arbeitsbedingte Belastungen

Weit mehr als soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht, Beschäftigungsausmaß und Beruf sind psychische sowie körperliche Belastungsfaktoren sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit dem Vorhandensein von gesundheitlichen Problemen assoziiert. Im Rahmen einer multivariaten Betrachtung kamen Biffl et al. (2011) zum Ergebnis, dass bei männlichen Beschäftigten die Präsenz eines psychischen oder körperlichen Belastungsfaktors mit einem etwa um die Hälfte erhöhten Erkrankungsrisiko einhergeht. Auch die einzelnen psychischen Belastungsfaktoren weisen ähnliche hohe Risk Ratios aus: Zeitdruck, Mobbing, Gewalt und andere psychisch belastende Faktoren sind mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko zwischen 49,3 % und 66,5 % assoziiert (wobei jeweils Personen ohne diese Belastungsfaktor die Referenzgruppe darstellen).

Im Rahmen des Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebungsmoduls „Arbeitsunfälle und arbeitsbezogene Gesundheitsprobleme“ 2006/7 und 2013 wurden die Respondenten auch zu gesundheitlichen Risikofaktoren am Arbeitsplatz befragt, wobei zwischen körperlichen und psychischen Risikofaktoren unterschieden wurde.

Österreichweit fühlten sich 2013 über 78 % der Erwerbstätigen einem körperlichen oder psychischen Gesundheitsrisiko ausgesetzt, ein Wert, der auch für das Bundesland Salzburg Gültigkeit hat. Über 70 % der Erwerbstätigen in Salzburg gaben mindestens einen körperlichen Risikofaktor an (71,3 %), 39,7 % klagten über zumindest ein psychisches Risiko. Männer waren häufiger als Frauen von potentiell belastenden Arbeitsbedingungen betroffen. Dieser Unterschied geht zu einem großen Teil auf den höheren Anteil an Männern zurück, die unter körperlich beschwerlichen Bedingungen arbeiten. Generell nehmen mit dem Alter die gesundheitlichen Risiken am Arbeitsplatz zu.

Insgesamt ist für die Erhebungswellen 2007 und 2013 ein Anstieg der klassischen „Bürokrankheiten“ zu verzeichnen: Die Betroffenheit von Stress, Depression und Angstzuständen, Kopfschmerzen und Übermüdung der Augen sowie von arbeitsbedingten Nacken- und Schulterschmerzen erhöhte sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen deutlich. Erwerbs- und bildungsstatistische Merkmale spielen eine wesentliche Rolle, ob man bei der Arbeit physischen und/oder psychischen Risiken ausgesetzt ist. ArbeiterInnen und BeamtInnen gaben am häufigsten an, zumindest einem beruflichen Gesundheitsrisiko ausgesetzt zu sein (rund 84 %), Angestellte und freie DienstnehmerInnen am seltensten (74,3 %). Bezogen auf die berufliche Tätigkeit waren Personen in der Landwirtschaft (90,0 %) und in der Baubranche tätige Personen (89,2 %) am stärksten von Gesundheitsrisiken betroffen.

Je höher der formale Bildungsabschluss ist, desto stärker berichten Erwerbstätige, von psychischen Risiken belastet zu sein, während körperlich beschwerliche Arbeitsbedingungen am häufigsten von Personen mit Pflichtschulabschluss genannt werden.

Rund 198.000 Erwerbstätige im Bundesland Salzburg, das sind rd. 71 % der Erwerbstätigen, sehen sich zumindest einem körperlichen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Der Anteil liegt dabei zwei Prozentpunkte unter dem österreichischen Vergleichswert. Werden die Erwerbstätigen nach der Art der körperlichen Belastung gefragt, dann dominieren 2013 mit 34 % Arbeitstätigkeiten, bei denen eine starke Anstrengung der Augen nötig ist. Für jeweils rd. ein Viertel der Erwerbstätigen stellen schwierige Arbeitshaltungen und Bewegungsabläufe, das Hantieren mit schweren Lasten sowie Lärm eine Belastung dar.

Wird nach der Art der schwerwiegendsten körperlichen Belastungsform gefragt, sind das für 22,2 % der Salzburger Erwerbstätigen Arbeiten mit starker Anstrengung der Augen (Österreich: 21,2 %), für 10,8 % Arbeiten mit schwierigen Arbeitshaltungen und Bewegungsabläufen (Österreich: 12,1 %) sowie für 10,6 % das Hantieren schwerer Lasten (Österreich: 12,4 %). Unfallgefahr stellt für 9 % der Salzburger Erwerbstätigen die schwerwiegendste körperliche Belastungsform dar (Österreich: 7,4 %).

Ein Vergleich der Jahre 2007 und 2013 zeigt damit einen Anstieg der ergonomischen Belastungen um rd. einen Prozentpunkt. In etwa ebenso großem Ausmaß ist die Beeinträchtigung durch Hantieren mit schweren Lasten angestiegen. Dieser Befund korrespondiert mit den Daten der österreichischen Gesundheitsbefragung, bei denen etwa jede/r vierte Befragte über chronische Kreuzschmerzen oder ein anderes chronisches Rückenleiden berichtet (Klimont und Baldaszti 2014).

Reduziert haben sich die Belastungen durch Lärm, Staub, Zigarettenrauch, Chemikalien, etwas angestiegen ist die Belastungsform durch Hitze. Für einige körperliche Belastungsformen waren die Besetzungszahlen zu gering, um haltbare Aussagen ableiten zu können.

Auf einen Rückgang körperlicher Belastungen weisen auch die Daten des Salzburger Arbeitsklima Index hin, der für den aus einer Reihe körperlicher Belastungen zusammengesetzten Indikator „physische Belastungen“ sinkende Werte ausweist. Zwischen 2008 und 2015 reduzierte sich der entsprechende Wert von 19 auf zwölf Punkte.

Zumindest ein körperlicher Belastungsfaktor Schwierige Arbeitshaltungen, Bewegungsabläufe Hantieren mit schweren Lasten Lärm Starke Vibrationen Chemikalien Staub Rauch Zigarettenrauch Dämpfe Abgase Hitze Kälte Feuchtigkeit Belastung der Augen Unfallgefahr
Salzburg 2007 51,5 9,8 9,7 6,7 0,6 3,6 5,3 0,3 2,6 1,3 1,3 2,5 2,1 1,0 0,0 0,0
Österreich 2007 48,5 8,7 8,7 6,2 0,6 2,9 4,8 0,6 2,8 1,3 1,2 3,0 2,4 0,8 0,0 0,0
Salzburg 2013 71,3 10,8 10,6 5,5 x 1,9 3,7 x 1,4 x x 3,2 1,3 x 22,2 9,0
Österreich 2013 73,3 12,1 12,4 6,0 0,2 2,7 3,2 x 1,5 0,7 0,7 2,8 1,8 0,4 21,2 7,4
Hinweise auf eine deutliche Zunahme psychischer Belastungsfaktoren finden sich in vielen Quellen: Die Daten des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger etwa weisen eine kontinuierliche Steigerung der Krankenstandstage aufgrund von psychiatrischen Krankheiten seit 20 Jahren auf.

Für rd. 40 % der Erwerbstätigen wurde im Mikrozensus-Ad-hoc-Modul zu Arbeitsunfällen und arbeitsbezogenen Gesundheitsproblemen zumindest ein psychischer Belastungsfaktor erhoben. Gegenüber 2007 bedeutet das eine Steigerung um sechs Prozentpunkte, wobei die Werte für Salzburg denen für Gesamtösterreich entsprechen. Unter den drei erhobenen psychischen Belastungsfaktoren dominiert starker Zeitdruck oder Arbeitsüberlastung mit knapp 39 %.

Die überragende Rolle des Belastungsfaktors Zeitdruck zeigt sich auch im Arbeitsgesundheitsmonitor: 40 % der Beschäftigten, die unter Zeitdruck stehen, weisen mehrfache psychische Belastungen auf (AK Oberösterreich 2016).

Für rd. 3,5 % stellen Gewalt oder Gewaltandrohung sowie Belästigung oder Mobbing einen Belastungsfaktor dar.

In % Zumindest ein psychischer Belastungsfaktor Starker Zeitdruck oder Arbeitsbelastung Gewalt oder Gewaltandrohung Belästigung oder Mobbing
Salzburg 2007 34,3 29,3 0,7 2,3
Österreich 2007 34,2 29,0 0,7 2,3
Salzburg 2013 39,7 38,7 2,7 3,5
Österreich 2013 40,3 38,3 3,5 3,4

Männer geben etwas öfter als Frauen an, einem psychischen Belastungsfaktor ausgesetzt zu sein, der Unterschied ist ausschließlich auf den Faktor Zeitdruck zurückzuführen. Während bei jungen Erwerbstätigen etwa jede/r Dritte über psychische Risiken berichtet, waren es bei den älteren Erwerbstätigen rd. 40 %.

Das Ausmaß der Betroffenheit von psychischen Belastungen unterscheidet sich nach höchstem Bildungsabschluss. Am stärksten fühlten sich Erwerbstätige, die eine Hochschule abgeschlossen haben, psychisch belastet (44,5 %), bei den Erwerbstätigen mit Lehre bzw. berufsbildender mittlerer Schule waren es 40,0 % und bei jenen mit Pflichtschule rd. 30 %.

Erwerbstätige, die zumindest einem psychischen Risiko ausgesetzt waren, waren auch häufiger von körperlichen Risikofaktoren betroffen. Rund 35 % aller Erwerbstätigen waren sowohl psychischen als auch körperlichen Risiken ausgesetzt und damit mehrfach belastet.

Zeitdruck und Überbeanspruchung werden als Belastungsfaktoren auch in der Arbeitswelt von morgen eine wichtige Rolle spielen. Sie sind den Daten der Arbeitskräfteerhebung zufolge – gerade in jenen Beschäftigtengruppen bzw. Arbeitsplätzen stark verbreitet, die im Wachsen begriffen sind. Der Strukturwandel der Wirtschaft hat die Bedeutung von höher qualifizierten, dienstleistungsorientierten Tätigkeiten stark erhöht, ein Ende dieses Trends ist noch nicht in Sicht (Biffl et al. 2011, 142).
Im Rahmen des Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebungsmoduls zu Arbeitsunfällen und gesundheitsbezogenen Gesundheitsproblemen berichteten rd. 4,4 % der Erwerbstätigen im Bundesland Salzburg im letzten Jahr über einen Arbeitsunfall. Gegenüber der Referenzbefragung 2006/7 bedeutet dieser Wert einen Rückgang um 0,7 Prozentpunkte. Damit liegt der Rückgang im Bereich des umfragebedingten Stichprobenfehlers. Für Gesamtösterreich lässt sich der Rückgang der Arbeitsunfälle statistisch allerdings zweifelsfrei belegen, hier sank der Wert um zwei Prozentpunkte.

Arbeitsunfälle passieren zum weit überwiegenden Teil im unmittelbaren Arbeitsumfeld (91 %) und weitaus seltener im Straßenverkehr (9 %). Häufigste Unfallursache sind gefährliche Arbeitsmittel, also Maschinen und Werkzeuge, bzw. Zeitdruck und hohes Arbeitstempo. Das soziodemografische Profil der Betroffenheit zeigt, dass Männer von Arbeitsunfällen rd. doppelt so stark betroffen sind wie Frauen. Facharbeiter sind am häufigsten betroffen, zur Risikogruppe zählen auch Personen in mittelgroßen Betrieben, Personen mit kurzer Beschäftigungszeit im Betrieb, Erwerbspersonen mit Leih- oder Zeitarbeit und Erwerbspersonen mit Schicht-, Turnus- oder Wechseldiensten.

In % 2006/7 2013
Salzburg 5,1 4,4
Österreich 6,1 4,2

Einkommen

Seit rund vier Jahrzehnten wird die Frage nach dem Verhältnis von Einkommen und Lebensqualität in der Lebensqualitätsforschung empirisch erforscht und diskutiert, dies hat zu einer Fülle teils recht widersprüchlicher Ergebnisse geführt.

Die Frage, ob und in welchem Ausmaß Einkommen bzw. Einkommenszuwächse zur Erklärung der Lebensqualität oder des subjektiven Wohlbefindens beitragen kann, berührt einen wichtigen Punkt der Wohlfahrtsmessung insofern, als Wirtschaftswachstum und Einkommenssteigerungen über Jahrzehnte vielfach als gleichbedeutend mit Wachstum und Lebensqualität von Gesellschaften gesehen wurden.

In seiner bahnbrechenden Studie „Does Economic Growth Improve the Human Lot?“ fragte Easterlin (1974), ob reichere Staaten glücklichere Staaten wären. Er fand eine Beziehung zwischen aggregiertem subjektiven Wohlbefinden und Einkommen, die er als „ambiguous“, geringfügig positiv, wenn auch klein, interpretierte. Als „Easterlin Paradox“ wurde forthin die These bekannt, dass es zwischen der ökonomischen Entwicklung und der durchschnittlichen Lebensqualität einer Gesellschaft keinen statistischen Zusammenhang gibt. Mit zunehmendem Wohlstand einer Gesellschaft, meist gemessen als Zuwachs des durchschnittlichen Einkommens pro Kopf, wächst die befragte Lebensqualität nicht mit. Eine Reihe von Befunden wurde seither für einen solchen geringen Einfluss des Einkommens auf die subjektive Wohlfahrt vorgelegt.

Unbestritten und vielfach belegt ist dagegen, dass innerhalb von Ländern Menschen mit höherem Einkommen höhere Zufriedenheit bekunden. In der EU geben 87 % der Personen im obersten Einkommensquartil an, „sehr“ oder „ziemlich zufrieden“ zu sein, gegen bloß 73 % im untersten (Di Tella et al. 2003, 811). Böhnke und Kohler (2009) wies auf Grundlage der Daten des European Quality of Life Survey nach, dass ausnahmslos in allen EU-Ländern Menschen aus dem jeweils höheren Einkommensquartil auch eine höhere Lebensqualität bekunden als im jeweils unteren.

Umstritten ist dagegen der Einfluss von Einkommenszuwächsen auf die Lebensqualität: Helliwell fand einen stark abnehmenden Grenznutzen des Einkommens. Der Sprung vom vierten in das fünfte Dezil der Einkommensskala erhöht die Lebenszufriedenheit um 0,11 Prozentpunkte auf einer zehnstufigen Skala, der vom neunten in das zehnte bloß noch um 0,02 (Helliwell 2002, 16). Di Tella et al. (2007) zufolge geht der Zufriedenheitsgewinn einer Einkommenssteigerung binnen vier Jahren verloren. Ebenso Layard et al. (2008): Ein zusätzlicher Euro für einen Wohlhabenden bringt bloß ein Zehntel der zusätzlichen Zufriedenheit, die sie einem Armen (mit einem Einkommen von einem Zehntel) bringen würde. Clark et al. (2008, 96) fanden in ihrer Studie, dass zusätzliches Einkommen nichts mehr zur Lebensqualität beiträgt, wenn das BIP pro Kopf eine gewisse Höhe erreicht hat und basale Bedürfnisse befriedigt werden können. Frey und Stutzer (2002, 416) bewerten die Literatur ähnlich: „(…) but once a threshold (around $ 10.000) is reached, the average income level in a country has little effect on average subjective well-being“.

Dagegen stellten Deaton (2008, 57), Sacks (2010) sowie Stevenson und Wolfers (2008) die These des geringen Einflusses von Einkommenszuwächsen auf die Lebensqualität in Frage. So weisen Stevenson und Wolfers die Easterlin-Hypothese, wonach die Steigungsgerade der Zeitreihenanalyse bezogen auf das Verhältnis Einkommen pro Kopf und SWB null ist, zurück und finden keinen Anhaltspunkt für eine Sättigungsgrenze. Die Beziehung zwischen subjektivem Wohlbefinden und Einkommen existiert dabei für entwickelte und Entwicklungsländer (Stevenson und Wolfers 2008, 9).

Für Österreich lässt sich der Einfluss des Einkommens auf die bekundete Lebensqualität empirisch klar belegen (z. B. Arbeitsklima Index, EU-SILC). Personen mit höheren Einkommen bekunden regelmäßig höhere Lebensqualität (Schulz und Pichler 2005).

Hinsichtlich der Frage, wie sich Einkommenssteigerungen auf die subjektive Lebensqualität auswirken, liegen für Österreich oder gar regionale Ebenen mangels langer Paneluntersuchungen unseres Wissens keine Daten vor.

Bezogen auf die Arbeitszufriedenheit bringt die Höhe des Arbeitseinkommens Anerkennung gegenüber der Arbeitsleistung zum Ausdruck, schafft materielle Sicherheit, soziale Teilhabe und erhöht individuelle Möglichkeitsräume. Nicht zuletzt hat die Einkommenshöhe eine statusvergleichende Funktion.

Die Auswirkungen des Einkommens auf die Arbeitszufriedenheit sind gut erforscht und zeigen regelmäßig eindeutige Unterschiede in der Bewertung der Arbeitszufriedenheit zwischen ArbeitnehmerInnen mit hohem Einkommen und jenen mit niedrigem Einkommen. Einkommensstärkere sind zufriedenere ArbeitnehmerInnen als einkommensschwächere (Bakan und Buyukbese 2013; Eurofound 2004, 2010).

Eine Einschätzung des gesellschaftlichen Wohlstands und der Lebensqualität kann sich nicht allein auf das Durchschnitts- oder das Medianeinkommen stützen, sondern muss auch Verteilungsfragen berücksichtigen. Lageparameter wie Median und arithmetisches Mittel geben nur eine zentrale Tendenz einer Verteilung an und sind unsensibel gegenüber der Verteilung der Werte in der Grundgesamtheit aller Einkommensbezieher.

Entsprechendes steht auch in der vierten Empfehlung des Stiglitz-Sen-Fitoussy Reports. (Stiglitz et al. 2009). Auch die Empfehlungen der Enquete-Kommission des deutschen Bundestags zu „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ empfehlen neben dem Wachstum des Einkommens die Einkommensverteilung als Schlüsselindikator (Enquete-Kommission 2013, 242). Dies gilt umso mehr, als Einkommenszuwächse in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend ungleich verteilt sind.

In vielen Ländern ist aber nicht nur eine stärkere Konzentration von Finanzvermögen, ein Rückgang des Anteils der Lohneinkommen am gesamten Volkseinkommen, sondern auch eine Zunahme der Spreizung zwischen hohen und niedrigeren Einkommen zu beobachten (Horn et al. 2009).

Für das Bundesland Salzburg lässt sich eine Einkommensspreizung für die letzten 20 Jahre ebenfalls nachweisen. Zwischen 1995 und 2013 haben sich die Anteile der unteren sechs Dezile am Gesamtbruttoeinkommen der ArbeitnehmerInnen rückläufig entwickelt, die Anteile der oberen vier Dezile dagegen sind gewachsen (Hofbauer 2016, 437).

Die steigende Einkommensungleichheit in Österreich ist Teil eines allgemeinen internationalen und gut dokumentierten Trends (Dustmann 2009). Es kam aber in Österreich zu keiner starken Zunahme der Ungleichheit wie in den USA seit Mitte und in Großbritannien seit Ende der 1970er Jahre, nicht zuletzt dadurch, da die primäre Einkommensverteilung durch Umverteilungen des Steuer- und Transfersystems beeinflusst sind (Guger und Marterbauer 2009/11).

Für Salzburg kann gezeigt werden, dass solche Umverteilungswirkungen die ökonomische Situation einkommensschwächerer Haushalte deutlich verbessert haben, aber dennoch der Anteil einkommensschwacher Haushalte (> 60 % Median) zwischen 2005 und 2013 um zwei Prozentpunkte zugenommen hat, während der Anteil der einkommensstarken Haushalte (> 180 % Median) um drei Prozentpunkte gewachsen is. (Hofbauer 2016, 446).

Zunehmende ökonomische Ungleichheit sagt a priori nichts darüber aus, ob sich die Lebensqualität von Menschen verschlechtert. Aus objektiv messbarer Ungleichheit muss „gefühlte Ungerechtigkeit“ werden, bevor die Lebensqualität sinkt (Liebig und May 2009). Dabei spielen kulturelle Faktoren ebenso eine Rolle. Generell zeigt sich, dass ökonomische Ungleichheit In Europa weniger akzeptiert wird als in den USA oder in Australien (Corneo und Grüner 2000).

Alesina et al. (2001) wiesen anhand der Lebenszufriedenheitsfragen im U.S. General Social Survey bzw. im Eurobarometer nach, dass die durchschnittliche Lebensqualität in Gesellschaften umso geringer ist, je ungleicher die Einkommensverteilung ist. In Europa ist der Effekt stärker ausgeprägt, doch erweist er sich auch in den USA als signifikant. In Europa führt eine ungleichere Einkommensverteilung im Ausmaß einer Erhöhung des Gini-Koeffizienten um zehn Prozentpunkte – das entspricht dem Übergang von der österreichischen zur italienischen Einkommensverteilung – zu einer Abnahme des Anteils der sehr Zufriedenen um rd. fünf Prozentpunkte und einer Zunahme der Unzufriedenen im selben Ausmaß.

Als Indikatoren werden daher hier im Einklang mit Lebensqualitätsmaßen neben der Entwicklung des durchschnittlichen Einkommens auch der Gini-Koeffizient der Einkommen sowie korrespondierend zum Statistik-Austria-Projekt „Wie geht’s Österreich?“ das Verteilungsmaß S80/S20 herangezogen.

Eine Darstellung der aggregierten Einkommensentwicklung hat mit dem Problem zu kämpfen, dass die Gesamteinkommen aus mehreren Gründen verzerrt sind (vor allem durch die steigende Teilzeitbeschäftigung).

Hier werden daher die Einkommen ganzjährig Beschäftigter Personen in Salzburg ausgewiesen. Diese sind als Teilzeit-, Saison- und um Arbeitslosigkeitsepisoden bereinigt zu betrachten und machen Einkommensvergleiche auf der Basis von Vollzeitbeschäftigungen möglich. Dabei handelt sich um Jahresnettoeinkommen. Zwischen 2009 und 2014 sind die durchschnittlichen Einkommen ganzjährig Beschäftigter im Bundesland Salzburg von 26.790 auf 29.082 gestiegen. Im Beobachtungszeitraum beträgt der Einkommenszuwachs 8,6 %. Der Kaufkraftverlust im Beobachtungszeitraum betrug 8,8 % (VPI 2014 verkettet auf Basis VPI 2005).

2009 2010 2011 2012 2013 2014 Zuwachs
Salzburg 26.790 € 26.905 € 27.470 € 28.176 € 28.754 € 29.082 € 8,6 %
Österreich 27.603 € 27.882 € 28.401 € 29.086 € 29.660 € 30.059 € 8,9 %

Real bedeutet die Einkommensentwicklung 2009–2014 bei den ganzjährig vollzeitbeschäftigten Salzburger Arbeitnehmern seit 2009 damit einen Einkommensverlust von 0,2 %, in der österreichischen Vergleichsgruppe einen Einkommenszuwachs von 0,1 %.
Gemessen an allen unselbständig beschäftigten ArbeitnehmerInnen verdienen Frauen im Bundesland Salzburg 2014 durchschnittlich rd. zwei Drittel des Einkommens der Männer. Im Österreichvergleich liegt Salzburg damit 1,5 Prozentpunkte hinter dem österreichischen Gesamtwert, aber im Bereich aller Bundesländer mit Ausnahme Wiens, wo die Fraueneinkommen deutlich überdurchschnittlich sind.

Zwischen 2009 und 2014 ist der durchschnittliche Einkommensanteil in Salzburg um 1,6 Prozentpunkte gewachsen, damit um etwas mehr als in Gesamtösterreich (1,3 Prozentpunkte).

Bereits beim Berufseinstieg zeigt sich eine Geschlechterdifferenz. Diese Differenz dürfte teilweise durch das unterschiedliche Arbeitszeitausmaß zwischen Frauen und Männern getrieben sein, das häufig bei – zumeist später auftretenden – Betreuungspflichten entsteht, stärker aber noch durch die geschlechtsspezifische Ausbildung-, Branchen- und Berufswahl (Bock-Schapelwein et al. 2015, 50).

2009 2010 2011 2012 2013 2014
Salzburg 64,3 64,9 64,8 65,0 65,5 65,9
Österreich 66,1 66,5 66,6 66,7 67,2 67,4

Bei der Niedriglohnbeschäftigung fällt der geschlechtsspezifische Unterschied noch höher aus.

Werden nur die Vollzeitbeschäftigungen für einen Vergleich der geschlechterspezifischen Differenzen herangezogen, dann verdienen Männer in Salzburg durchschnittlich das 1,3-Fache von Frauen in ebensolchen Beschäftigungen (Hofbauer 2016, 452).
Die Quote S80/S20 ist ein aussagekräftiges Maß, um Veränderungen der Einkommensanteile am oberen und unteren Ende der Einkommensskala anzuzeigen. Dabei wird das gesamte Bruttoeinkommen des obersten Einkommensquintils (20 % der Bevölkerung mit dem höchsten Bruttoeinkommen) mit dem des untersten Einkommensquintils (20 % der Bevölkerung mit dem geringsten Bruttoeinkommen) verglichen. Das Maß S80/S20 entspricht dem Wert des Quotienten, mit dem obersten Einkommensquintil als Zähler, dem untersten Einkommensquintil als Nenner.

Die Verteilung der Einkommen aus unselbständiger Arbeit ist in Österreich in den letzten 20 Jahren deutlich ungleicher geworden. 1995 betrugen die Bruttoeinkommen aller Arbeitnehmer des obersten Einkommensfünftels noch rund das 15-Fache des untersten Einkommensfünftels, für Salzburg liegen keine entsprechenden Daten vor.

Im Bundesland Salzburg betrugen die Einkommen des obersten Einkommensfünftels im Jahr 2000 das rd. 19-Fache der Einkommen des untersten Einkommensfünftels. Im Jahr 2014 ist diese Differenz deutlich angewachsen und die Einkommen der obersten 20 % der ArbeitnehmerInnen betragen rd. das 24-Fache der Einkommen der untersten 20 %. In den Jahren seit der Wirtschaftskrise hat sich die Einkommensspreizung etwas verlangsamt.

1995 2000 2005 2010 2013 2014
Österreich 15,37 18,57 20,84 23,44 22,83 23,00
Salzburg 19,39 20,15 22,64 23,5 23,74
Während das S80/S20-Verhältnis lediglich Veränderungen im obersten und im untersten Quintil anzeigt, lässt sich mit dem Gini-Koeffizienten die gesamte Einkommensverteilung nachvollziehen. Der Gini-Koeffizient nimmt einen Wert an zwischen 0 bei Gleichverteilung und 1, wenn nur eine Person das komplette Einkommen erhält (d. h. bei maximaler Ungleichverteilung).

Die Berechnung des Gini-Koeffizienten für die Salzburger Einkommen und im Österreichvergleich erfolgt hier auf der Basis der Lohnsteuerstatistiken ganzjährig vollzeitbeschäftigter ArbeitnehmerInnen, um Basiseffekte wie veränderte Teilzeitquoten auszuschalten.

Auch für Salzburg zeigt sich anhand der Gini-Koeffizienten eine steigende Ungleichheit der unselbständigen Einkommen. Im Zeitraum zwischen 2004 und 2014 ist der Gini-Koeffizient der unselbständigen Bruttojahreseinkommen von 0,292 auf 0,297 angewachsen, wobei die Wirtschaftskrise 2008 offenbar als Ungleichheitsbremse wirksam war. Die Salzburger Entwicklung verläuft dabei im Gleichklang mit dem österreichischen Verlauf. Bei Männern ist die Einkommensungleichheit stärker ausgeprägt als bei Frauen, auch die Zunahme der Einkommensungleichheit verlief ausgeprägter.

2004 2008 2010 2013 2014
Salzburg 0,292 0,302 0,303 0,298 0,297
Österreich 0,291 0,301 0,301 0,298 0,298
Männer
Salzburg 0,283 0,297 0,298 0,296 0,297
Österreich 0,288 0,300 0,301 0,298 0,296
Frauen
Salzburg 0,271 0,281 0,283 0,280 0,280
Österreich 0,271 0,281 0,283 0,280 0,280

Zufriedenheiten

Dass „objektiv“ gute oder schlechte Umstände nicht wie selbstverständlich in ein entsprechendes Zufriedenheitsurteil münden, ist in der Lebensqualitätsforschung oft betont worden (Zapf 1984). Menschen beurteilen ihre Lebens- und Arbeitssituation in Abhängigkeit von ihren Persönlichkeitsmerkmalen und passen sich auch an gegebene Umstände an. Schlechtere Arbeitsumstände bedeuten nicht zwingend ein schlechteres Zufriedenheitsurteil und vice versa, wenn sich etwa Vergleichsmaßstäbe verschieben.

Wie im Kapitel „Arbeitszufriedenheit im Bundesland Salzburg“ gezeigt werden konnte, beurteilt ein nicht kleiner Teil der rund 20 % jener Erwerbspersonen, die ihre aktuelle Arbeitssituation in Detailfragen schlecht einschätzen, die gesamte Arbeitszufriedenheit als gut. Dies kann im Einklang mit Bruggemanns Modell der Arbeitszufriedenheit als resignative Arbeitszufriedenheit interpretiert werden, bei der ein Soll-Ist-Vergleich negativ ausfällt, aber das Anspruchsniveau zur Kompensation sinkt. Single-Item-Fragen können diese unterschiedlichen Formen der Arbeitszufriedenheit allerdings nicht erfassen.

In der Dimension Zufriedenheiten werden folgende Indikatoren für die Arbeitsqualität präsentiert, die stärker als unmittelbare Belastungssituationen der unmittelbaren Arbeitssituation wie etwa psychische Belastungen auf die kognitive Bewertung von Aspekten der Arbeitsqualität abzielen. Dies sind die wahrgenommene Autonomie am Arbeitsplatz, die Zufriedenheit mit dem Einkommen wie den Karrierechancen, die wahrgenommenen Arbeitsmarktchancen sowie die empfundene Sinnhaftigkeit der beruflichen Tätigkeit.

Für die Qualität des subjektiven Wohlbefindens wird dem jeweiligen Autonomiegrad eine wichtige Rolle zugeschrieben. Auch in den Motivationskonzepten der Arbeitspsychologie sind Arbeitszufriedenheit und Mitbestimmung eng miteinander gekoppelt. Im Demand-Control-Modell der Arbeitszufriedenheit spielen Handlungsspielraum und Autonomie, die Erwerbstätige zur Erfüllung der Arbeitsanforderungen haben, eine entscheidende Rolle. Die erlebte Selbstbestimmtheit und auch die Anerkennung der Kompetenz, mit der die eigene Meinung bei Entscheidungen einfließt, fördert die Arbeitszufriedenheit.

Als Quelle für den Indikator Autonomie dient die Frage aus dem Arbeitsklima Index nach der Möglichkeit, Arbeitsabläufe selbst bestimmen können. Die Zufriedenheit mit den Selbstbestimmungsmöglichkeiten liegt im Jahr 2015 bei 2,44 auf der fünfteiligen Notenskala (1 = sehr zufrieden; 5 = gar nicht zufrieden).

Im Zeitverlauf seit 2006 zeigt sich ein Abfall der Zufriedenheit. Die Autonomie sinkt mit der Qualifikation. HilfsarbeiterInnen sowie einfache Angestellte sind deutlich weniger zufrieden als qualifizierte Angestellte und öffentlich Bedienstete. Österreichische Vergleichswerte stehen hier nicht zur Verfügung.

2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
2,10 1,89 1,92 2,17 2,04 2,11 2,31 2,39 2,37 2,44
Für die Beurteilung der Frage, wie zufrieden Salzburger Erwerbstätige mit ihrem Einkommen sind, muss aus Gründen der Vergleichbarkeit mit den österreichischen Werten auf einen Verbundindex aus zwei Fragen aus dem österreichischen Arbeitsklima Index zurückgegriffen werden. Der Indikator Einkommenszufriedenheit ist ein zusammengesetzter Indikator aus den zwei Items: „Zufriedenheit mit dem Einkommen“ sowie „Beurteilung ob das Einkommen ausreichend ist“. Beide Teilindikatoren gehen mit einem Gewicht von 0,5 in den Gesamtindikator ein. Die Zufriedenheit mit dem Einkommen liegt im Jahr 2015 bei einem Wert von 55 eines Maximalwerts von 100. Die Zufriedenheit mit dem Einkommen ist in den letzten Jahren rückläufig, sowohl im Bundesland Salzburg als auch in Gesamtösterreich. Die Zufriedenheit mit dem Einkommen spiegelt die berufliche Stellung sowie die reale Einkommenssituation: HilfsarbeiterInnen und einfache Angestellte sind mit ihrem Einkommen deutlich weniger zufrieden als qualifizierte Angestellte und öffentlich Bedienstete.

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Salzburg 58 57 60 54 46 50 55 55
Österreich 58 58 56 54 55 54 54 54
Arbeitszeitfragen sind seit einiger Zeit wieder verstärkt in Diskussion, wofür es mehrere Ursachen gibt: einerseits die gesellschaftlich virulente Frage der Verteilung von Arbeit angesichts des beschleunigten Strukturwandels der Wirtschaft, der andauernden wirtschaftlichen Schwäche nach der Wirtschaftskrise 2008 oder der dauerhaft hohen Arbeitslosigkeit, aber auch das gestiegene Bewusstsein für arbeitsbedingte Gesundheitsrisiken; andererseits spiegeln sich in der Arbeitszeitfrage auch unterschiedliche Interessen innerhalb der Gruppe der Erwerbstätigen, was nicht zuletzt auch zur Etablierung der sog. „Freizeitoption“ in mehreren Kollektivverträgen geführt hat.

Ausmaß, Lage und Regelung der Arbeitszeit prägen die individuellen wie betriebs-, berufs- und branchenspezifischen Arbeitsbedingungen wesentlich mit. Nicht umsonst bilden Themen wie Wochenarbeitszeit, Arbeitszeitmodelle und Arbeitszeitflexibilität bis heute Schlüsselthemen in arbeitspolitischen Auseinandersetzungen. Wiederholt hat sich die Arbeitszeit als wichtige Determinante nicht nur der Arbeitszufriedenheit, sondern auch als bedeutender Einflussfaktor der gesamten Lebenszufriedenheit erwiesen.

Die Zufriedenheit mit der Arbeitszeit hängt dabei maßgeblich von den Kontextbedingungen der jeweiligen Arbeitssituation ab, wie der Position im Betrieb oder dem Ausmaß der Selbstbestimmung hinsichtlich der Arbeitszeit, aber wesentlich auch von personenbezogenen Aspekten wie der Familiensituation, dem Einkommen oder dem Alter.

Dennoch lassen sich einige Rahmenbedingungen erkennen, die regelmäßig negativen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit nehmen. Dazu zählen wiederholte Wochenarbeitszeiten über dem vereinbarten Ausmaß (Arbeitsklima Index 2007) unfreiwillige Teilzeitarbeit sowie Arbeitszeit außerhalb der Norm (Metzger et al. 2011, 193).

Die Arbeitszeit spielt demnach für die gesamte Arbeitszufriedenheit eine zentrale Rolle. Für Europa gilt: Die Arbeitsplatzzufriedenheit ist bei denjenigen, die außergewöhnlich lange arbeiten, besonders gering (Eurofound 2012, 70; Biffl et al. 2004, 125). Arbeitszeit in Österreich und Salzburg Die durchschnittliche wöchentliche Normalarbeitszeit aller Beschäftigten beträgt in Österreich 2014 36,7 Stunden, damit liegt Österreich im EU-Vergleich auf dem sechsten von 28 Plätzen in puncto kurze Arbeitszeiten, der EU-Schnitt liegt mit 37,2 Stunden etwas höher. In Österreich sind die tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten im Gesamtdurchschnitt über die letzten Jahre rückläufig (Eurostat 2016).

Zieht man die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit als Indikator heran, zeigt sich jedoch die Problematik von Indikatoren auf der Basis von Durchschnittswerten. Denn die Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit ist nicht auf eine gleichförmige Arbeitszeitverkürzung über alle Beschäftigten zurückzuführen, sondern das Ergebnis eines differenzierten Prozesses. Einerseits steigt die Zahl von atypischen bzw. Teilzeitbeschäftigungen, wobei innerhalb des Teilzeitsegments das Arbeitszeitausmaß steigt, andererseits zeigt ein Blick auf die Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten, dass die ÖsterreicherInnen mit 41,5 Stunden deutlich länger als im EU-28-Schnitt arbeiten. Dabei schlagen in Österreich insbesondere die Überstunden zu Buche die zu den höchsten der EU zählen (Flecker 2015) und von denen laut WIFO 2012 23 % unentgeltlich geleistet wurden (Eichmann und Saupe 2014, 80). Das bedeutet, dass einerseits relativ viele Menschen in Österreich sehr kurz oder kurz und andererseits viele relativ lang (40 und mehr Stunden) arbeiten.

Angesichts der komplexen Situation bieten anstelle von globalen Durchschnittswerten Verteilungen der Arbeitszeit mehr Information, sodass hier eine detailliertere Darstellung der Arbeitszeitentwicklung nach Arbeitszeitkategorien vorgeschlagen wird, wie sie taxativ im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung vorgenommen wird.

Im Zeitraum zwischen 2007 und 2015 sind im Bundesland Salzburg alle der im Rahmen der Arbeitskräfteerhebungen abgefragten Teilzeitkategorien (bis 11 Stunden, 12 bis 24 Stunden, 25 bis 35 Stunden sowie 36 bis 40 Stunden) angestiegen, wogegen die Arbeitszeitkategorien über 40 Stunden rückläufig waren. Dieser Trend entspricht im Wesentlichen auch der gesamtösterreichischen Entwicklung.

Bis 11 Stunden 12 bis 24 Stunden 25 bis 35 Stunden 36 bis 40 Stunden 41 bis 59 Stunden 60+ Stunden
Salzburg 2007 6,3 11,7 13,9 36,0 21,9 10,1
Salzburg 2015 6,9 14,7 16,6 38,6 17,5 5,8
Österreich 2015 7,4 14,0 17,5 37,4 18,8 4,9

Die Motive für Teilzeitarbeit, auch sie werden im Rahmen der MZ-Arbeitskräfteerhebung abgefragt, sind unterschiedlich. Im Bundesland Salzburg geben 34 % der Teilzeitbeschäftigten die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Erwachsenen als Ursache für ihre Teilzeitarbeit an, 18,2 % wünschen keine Vollzeitbeschäftigung, 22,3 % nennen persönliche oder familiäre Gründe, 8 % haben keine Vollzeitbeschäftigung gefunden, jeweils 9 % nennen schulische bzw. Ausbildungsgründe oder sonstige Gründe (Statistik Austria 2015).

International zeigen diverse Untersuchungen, dass einige arbeitszeitrelevante Faktoren regelmäßig mit geringer Arbeitszufriedenheit korrelieren, so etwa Nacht-/Schichtarbeit oder zu viele Überstunden (Eurofound 2015). So sind Wochenend-, Spät und Nachtarbeit zwischen 2006 und 2014 tendenziell eher zurückgegangen, Schichtarbeit und die Arbeit von zu Hause aus haben hingegen zugenommen. Nicht zuletzt spielt des wirtschaftliche Umfeld eine Rolle. So zeigt Otterbach auf Grundlage des International Social Survey für 21 Staaten, dass Wünsche nach längerer Arbeitszeit dort gegeben sind, wo Arbeitslosigkeit hoch ist bzw. droht, während dort, wo das Pro-Kopf-Einkommen vergleichsweise hoch ist, ein höher Anteil der Beschäftigten eine Arbeitszeitreduktion präferiert. Ähnlich verhält es sich in Ländern mit gleichmäßiger verteilten Einkommen (Otterbach 2010).

In einer quantitativen Studie zu Arbeitszeitwünschen für Österreich kommen Gerold und Nocker (2015)vzum Ergebnis, dass, wer aktuell lange arbeitet, kürzer arbeiten will und vice versa. ArbeitnehmerInnen, die lieber weniger arbeiten würden, sind tendenziell älter, besser gebildet, haben weniger Kinder und arbeiten als Angestellte in eher größeren Betrieben. Im Geschlechtervergleich zeigt sich, dass Frauen hinsichtlich der Arbeitszeit eine Präferenz für familientaugliche Arbeitszeiten haben, Männern hingegen eher Arbeitsbedingungen und die Position im Unternehmen wichtig ist. Das entspricht dem „male breadwinner“-Modell, weshalb die AutorInnen auch von einer „gendered nature of preferences for work time reduction“ sprechen (Gerold und Nocker 2015, 74).

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Grözinger et al. (2008, 96) für Deutschland. Die Wunscharbeitszeiten können mit Abstand am besten durch die aktuellen Arbeitszeiten erklärt werden. „Wer mehr arbeiten möchte, arbeitet aktuell wenig, wer dagegen weniger Arbeit anstrebt, arbeitet zurzeit viel“. Zudem zeigen die AutorInnen, dass unerfüllte Arbeitszeitwünsche einen negativen Einfluss auf die allgemeine Arbeits- und Lebenszufriedenheit haben.

In Österreich äußern rd. 9 % der Beschäftigten Wünsche nach einer Verlängerung der Arbeitszeit, Verkürzungswünsche haben rd. 17 % der Beschäftigten; keine Veränderungswünsche haben rd. 74 % der Beschäftigten. Für den Zeitraum 2006 bis 2014 sind diese Zahlen im Wesentlichen unverändert. Schwendinger hält in seiner Studie für Österreich fest: „Betrachtet man Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte separat, zieht sich ein roter Faden durch alle Kapitel: Teilzeitbeschäftigte wollen lieber länger, Vollzeitbeschäftigte wollen lieber kürzer arbeiten“ (Schwendinger 2015, 46).

Regionalisierte Daten zur Zufriedenheit mit der Arbeitszeit bietet der Indikator Zufriedenheit mit der Zeiteinteilung aus dem Salzburger Arbeitsklima Index. Dabei handelt es sich um einen zusammengesetzten Indikator aus den zwei Teilindikatoren „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ sowie „Zufriedenheit mit der Arbeitszeit“. Beide Teilindikatoren gehen mit einem Gewicht von 0,5 in den Indikator ein.

Die Werte zeigen seit 2008 eine deutliche Abnahme der Zufriedenheit. Die Werte sind von 84 auf 67 Indexpunkte gesunken und damit deutlich stärker als im Österreichvergleich.

Besonders bei Vollzeitbeschäftigten ist die Differenz zwischen der tatsächlichen und der gewünschten Arbeitszeit beträchtlich (Salzburger Arbeitsklima Index 2016). Die Werte des Salzburger Arbeitsklima Index zeigen darüber hinaus, je geringer das Arbeitszeitausmaß ist, desto zufriedener sind die Beschäftigten mit den Arbeitszeitregelungen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch Belastungsfaktoren wie Zeitdruck und andere psychische Belastungen fallen geringer aus, dagegen ist die Zufriedenheit mit dem Einkommen und der Bedürfnisdeckung unterdurchschnittlich.

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Salzburg 84 82 83 76 72 71 71 67
Österreich 78 77 76 76 77 76 75 75
Jenseits von Arbeitsmarktstatistiken und -prognosen bringt die Antwort auf die Frage nach den individuellen Arbeitsmarktchancen die subjektive Einschätzung der Betroffenen zum Ausdruck, wieder eine annehmbare Arbeitsstelle zu finden. Darin spiegeln sich die Wahrnehmung des wirtschaftlichen und des Arbeitsmarktumfelds sowie der eigenen Möglichkeiten wider. Grundlage des Indikators ist wiederum eine entsprechende Frage des österreichischen Arbeitsklima Index und der regionalisierten Version für das Bundesland Salzburg. Der Salzburger Wert erreicht im Jahr 2015 einen Wert von 48 eines Maximalwerts von 100. Die Arbeitsmarktchancen werden von den SalzburgerInnen deutlich besser eingeschätzt als von der gesamtösterreichischen Vergleichsgruppe mit einem Wert von 41. In der Längsschnittsbetrachtung zeigt sich analog zur problematischen Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre ein gesunkenes Vertrauen, wieder eine annehmbare Arbeitsstelle zu finden. Die Werte sind von 55 zum Ende der Hochkonjunktur 2008 auf 48 gesunken, die österreichischen Vergleichswerte zeigen eine gleichlaufende Entwicklung auf niedrigerem Niveau.

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Salzburg 55 42 49 49 52 49 50 48
Österreich 49 47 44 47 46 45 43 41
Stärker als die Frage nach den Arbeitsmarktchancen fokussiert die Frage nach der Zufriedenheit mit den Karrierechancen auf das individuelle Fortkommen im Arbeitsleben. Die Grundlage des Indikators Zufriedenheit mit der Karriere bildet die Subdimension Karriere des österreichischen Arbeitsklima Index und seiner regionalsierten Salzburger Version. In die Subdimension gehen zwei Items ein: die Zufriedenheit mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten einerseits und die Zufriedenheit mit den Weiterbildungsmöglichkeiten andererseits. Beide Teilindikatoren gehen normiert und gewichtet in den Gesamtindikator ein und erreichen im Bundesland Salzburg im Jahr 2015 den Wert von 59 eines Maximalwerts von 100. Durch das Berechnungsverfahren ist ein direkter Vergleich mit anderen Werten des Arbeitsklima Index nicht möglich. Innerhalb des Indikators zeigt sich im Zeitverlauf allerdings in Salzburg eine deutliche Abnahme der Zufriedenheit mit den Karrierechancen, im Jahr 2008 lag der entsprechende Wert noch bei 70, während der österreichische Vergleichswert annähernd stabil ist.

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Salzburg 70 67 69 66 63 61 60 59
Österreich 65 66 65 63 64 63 61 63
Sinn in seiner beruflichen Tätigkeit zu sehen, trägt stark zur Arbeitszufriedenheit bei und die Bedeutung sinnbezogener Aspekte des Arbeitslebens scheint nicht geringer zu werden, wie ein Langfristvergleich von Daten der European Values Studies zeigt. „Noch mehr als die Bedeutung guter Bezahlung und Arbeitsplatzsicherheit hat jene von intrinsischen Berufszielen wie eine interessante Tätigkeit (…) zugenommen“ (Eichmann und Saupe 2014, 296).

Als Indikator für den Sinnaspekt der eigenen beruflichen Tätigkeit dient hier die Antwort auf die Aussage „Ich empfinde meine Arbeit als sinnvoll“ aus der Bevölkerungsbefragung der FH Salzburg im Rahmen des gegenständlichen Projekts. Der Zusammenhang zwischen sinnerfüllter Arbeit und gesamter Arbeitszufriedenheit wird eindrucksvoll bestätigt, die Korrelation ist hochsignifikant, direkt proportional und stark (p = 0,00; r = 0,66).

Annähernd 83 % der Salzburger Erwerbstätigen empfinden ihre Tätigkeit als sinnvoll, 11 % stimmen dieser Aussage nur teilweise zu und lediglich 6,3 % stimmen eher oder gar nicht zu. Jüngere Erwerbstätige erkennen mit 9 % keinen Sinn in ihrer Arbeitstätigkeit, aber lediglich 3 % der älteren Erwerbstätigen.

stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu teils/teils stimme eher zu stimme voll und ganz zu MW (0–10) Std.abweichung
Salzburg 3,7 2,6 11,0 32,5 50,3 8,1 2,2
Österreich 2,7 3,7 11,6 25,9 56,0 8,2 2,2